Corona

Sinnsprüche, elegisch (2)

Von Arwed Willis Matscharek, 2022

Ihr werdet’s hassen, was ich hier erwähne:

Dass ich schon jetzt vermisse Lockdown, Shutdown, Quarantäne.

1

Es kann das Maskentragen stoppen oder killen,

Hygienisch sind die Masken Wunscherfüllung

Coronavirus und auch andre Viren und Bazillen.

Kein Schnupfen, Husten, Durchfall dank Verhüllung.

Vor allem aber lob ich mir die Maskenpflicht

weil sie verschont vor vielerlei Gesicht.

Kein Druck mit dem Erkennenmüssen,

Wer hinterm Stoff, kannst Du nicht wissen.

Verbissne Fresse, aggro oder dumm-obszön,

Was Du nicht siehst, Du denkst Dirs schön.

Weshalb man seelisch bleibt gesund.

Zudem die Maske hält Dich warm um Kinn und Mund.

Ob Tschador, Nikab, Burka – nunmehr kein Problem,

Wenn alle zwangsverschleiert gehn.

Die Mitwelt wird verschont von Mundgeruch,

in eigne Nase üblen Odem lenkt das Tuch.

Die Maske weiß, blau, schwarz, gesprenkelt und kariert:

Der Mode ist ein neues Feld kreiert.

Bedenkt deshalb, falls Ihrs noch immer nicht versteht:

Um Umweltschutz, Gesundheit, Frohsinn es beim Maskentragen geht.

Weil jeden Tag und überall

ein Maskenball.

2

Hast du zuhause endlich Dein Büro,

Sind Kinder, Partner und Kollegen froh.

Private Schule nun nicht nur für Oberschicht,

kriegt jedes Kind im eigenen Heim den Unterricht.

Und endlich Privilegien hat, ist das schon Kommunismus?,

Wer Menschen hegt und pflegt und einfach raus muss.

Ein weitrer Vorteil heimischer Coronazeiten:

Viel Zeit für aufgeschobne Repraturarbeiten.

Der Staat wie Seuche sorgten für den großen Wandel.

Die neue Tugend: Surf & Browse und Onlinehandel.

Die Menschheit wird mehr öko, wenn sie nicht nomadisch.

Der Single weiß, wie gut sichs lebt monadisch.

Aushäusiger Geschlechtsverkehr, Fremdgehen war erschwert,

der Homesex gottseidank die Deutschen gar nicht hat vermehrt.

Die hohe Inzidenz behinderte die Promiskuität,

erhöhte andrerseits die Chance für koitale Qualität.

Man sieht, es bessert merklich auch Moral,

wird reduziert die Qual der Wahl.

3

Die primitivste Form des Homo Sapiens?

Wer Auto fährt, ob Audi, Fiat oder Daimler-Benz.

Die Quarantäne stoppte den Verkehr,

der Mitmensch, steuernd, quälte weniger.

Ach, wie schön die Autobahnen waren,

die meisten Spuren waren unbefahren.

Ein Kinderspiel, ok, erzwungnermaßen,

der Überholvorgang auf Landesstraßen.

Der Lockdown machte Stadtluft frei

von Blechgeröhr und Abgasschweinerei.

Man konnte wieder Stille lernen,

wenn Mensch und Technik wen’ger lärmen.

Der Himmel unbefleckt, kein Chemtrail weit und breit.

Corona nebenbei von Unheil hat befreit.

In Bahn und Bus die Platzwahl opulent.

Der Hausarrest befördert Freiheit eminent.

Welch Chance: Gewicht und Leber auf Diät,

Wenn Kneipen zu, kein Imbiss geht.

Wie schön: Kreuzfahrt am Boden, Flieger, Busse warn gecancelt.

Wozu, sagts mir, wird in der ganzen Welt herumscharwenzelt?

Urlaub im Schrebergarten, Stadtpark oder auf Balkon,

auf Kurzarbeit hat man noch mehr davon.

4

Covid konnte städtisch Menschenmassen reduzieren,

so Baukunst unverstellt tat faszinieren.

Shoppengehn, wir wissen’s, macht uns zu Idioten.

Es war ein Fortschritt, als es war verboten.

Museum, Kino, Oper und Konzert verschlossen blieben.

Dafür Theater, Drama nun im eignen Heim – muss man denn immer lieben?

Die Bremsung der Event-Kultur:

Wen stört das nur?

5

Von Politik die Seuchenkrise fordert klares Ziel, verständliche Entscheidung,

die liefert Chaos, Kompetenzsstreit und Entschluss-Vermeidung.

Es lässt mit Covid sich zudem erkennen,

Dummheit, Idiotentum und Hoch-IQ muss man nicht trennen.

Der Wirrkopf blüht als höhres Deppentum ersichtlich,

verlinkt mit Bildung wirds besonders unerquicklich.

Lust an Gewalt, das Dumpf-Brutale, das verdorbene Böse:

Die Seuche offenlegt den Krebs im menschlichen Gekröse.

Sie ist ein großer Anatom und liefert den Befund,

Vernunft ist Mangelware und wir leben allzu ungesund.

6

Alles in allem, ich sags nicht akademisch:

Die Welt verliert nicht, sie gewinnt pandemisch.

Der Pessim- oder Realist wird freilich sagen müssen:

Der Mensch lernt nichts und will auch gar nichts wissen.

Neandertal vorbei, der Mensch bleibt infantil.

Das bisschen Hochkultur heißt leider gar nicht viel